Der erste SMNR einer Stadt

Wie Frankfurt am Main 2011 als erste deutschsprachige Behörde einen Social Media Newsroom ins Netz stellte - mit WordPress und einem 30-Dollar-Theme.

Der erste Social Media Newsroom einer Stadt

Man (=Harry) nehme:

  • Lust, ein bisschen was Neues zu machen.
  • Wordpress und ein 30 $-Theme.
  • Den inneren Drang, graue PR-Theorie in HKS-13-farbige kommunale Praxis umzusetzen.
  • Ein gehöriges Stück Naivität, was die Umsetzungsdauer angeht.

Et voilà! Der erste Social Media Newsroom einer deutschsprachigen Behörde!

Okay, es ist ein mittlerweile alter Hut in einem neuen Look, aber: 2009 haben wir bekanntlich bei der Stadt Frankfurt am Main als erster deutschsprachiger Großstadt eine kommunale Social Media-Strategie gefahren. Hamburg war mit Social Media ein bisschen schneller als wir, aber dort hat es die WiFö gemacht, nicht die Kernverwaltung. Irgendwie war uns klar: Wir müssen unsere Kanäle zusammenbinden. Am besten auf der Website www.frankfurt.de.

Wordpress half, wo frankfurt.de versagte

Aber: Das ging damals technisch nicht. Mit ein, zwei Wordpress-Plugins aber könnte es problemlos gehen: Der Facebook-Feed, die Twitter-Threads, die Picasa-Alben der Stadt: Alles, was irgendwie nach "modern" und "social" und "voll digital, ey" aussah, konnten wir einbinden. Weil unsere tollen journalistischen Feature zudem viel zu wenige gelesen haben, haben wir diese gleich noch mitverwurstet.

Also hab ich einen Webspace gekauft für 10 Euro, Wordpress installiert und ein "Profi-Theme" gedownloadet, das gut aussah und alles konnte, was wir brauchten. Und dann tagelang das Design angepasst. Die CSS-Datei mehrfach zerschossen, neu geändert, ein Child angelegt, nochmal zweimal zerschossen - aber im Sommer 2011 hatten wir einen lauffähigen SMNR! Als erste Stadt, erste Großstadt, erste Stadtverwaltung und erste Behörde überhaupt im DACH-Raum. Lang ist's her, aber trotzdem scheint es immer noch eine supermoderne Kommunikationsplattform zu sein. Selbst heute noch (2024)!

Wir waren wahnsinnig, wir hatten keine Agentur!

Die Frage, die nun jeder IT-Mensch einer Behörde stellt (oder zumindest 2011 stellen musste): "Bist Du wahnsinnig??" Externer Webspace, externer Provider (der sein Rechenzentrum immerhin in Frankfurt und mit grünem Strom betrieb!), die nicht ernstzunehmende Bloggersoftware-Spielerei Wordpress? Für lächerliche 40 Euro? Das geht so nicht, da muss ein ordentlicher fünfstelliger Etat beantragt werden für das Haushaltsjahr 2015/2016, dann muss das europaweit ausgeschrieben werden, am besten Hardware, Software und Design getrennt! Dann muss das eine Agentur machen, mein Gott, bist Du eine externe Agentur?? Seit wann macht die Stadtverwaltung mal was selber?? Geht's noch???

Ja, geht. Geht sehr gut sogar. So gut, dass ich in der Fachzeitschrift kommune21 darüber berichten durfte. Und Christoph Moss Raum in seiner Newsroom-Bibel einräumte.

SMNR im Buch von Christoph Moss
Unser SMNR, vorgestellt von Dominik Ruisinger im Handbuch von Christoph Moss.

Die PR-Community lieferte die Idee

Doch wie kam ich überhaupt auf die Idee? Durch einfaches Reinhören in die Community. Durch Fachbeiträge und einfache Tweets von Marie-Christine Schindler, Tapio Liller, Dr. Kerstin Hoffmann, Klaus Eck. Akademisch unterfüttert von Thomas Pleil und Prof. Dr. Ansgar Zerfass. Immer wieder war das Social Media Release und sein Heimathafen, der Social Media Newsroom, damals Thema. Bei großen Weltfirmen: Die haben sowas, brauchen sowas, beauftragen sowas. Aber eine kleine Stadt am Main? Die war schon froh, wenn die Website einigermaßen sinnvoll upgedatet wurde.

Da war also eine Lücke, die ich füllen konnte. Mit wenig Aufwand, aber großem Aufsehen. Das war toll, damals. :)

Fazit: Wir haben uns umgehört und Ideen frei Haus geliefert bekommen von Menschen, die sich auskennen. Haben dann überlegt, ob und wie wir es selber machen können - und haben das Ding in ein paar Stunden (okay, etwas mehr waren's dann schon) ins Netz gestellt. Umsetzen statt verwalten - wow, wie das Spaß gemacht hat!