3H-Modell: Hero, Hub, Hygiene – welcher Content für welche Absicht?

Die meisten Redaktionspläne haben dasselbe Problem: Alle Inhalte sollen alles leisten. Das 3H-Modell von Google erklärt, warum das nicht funktioniert — und wie man es besser macht.

Ein Jahresbericht soll informieren, begeistern, Vertrauen aufbauen und viral gehen. Ein Social-Post soll die Marke stärken, direkte Konversionen bringen und nebenbei die Community pflegen. Ein Newsletter soll binden, verkaufen und gleichzeitig redaktionell wertvoll sein.

Das funktioniert nicht. Nicht weil die Ansprüche falsch sind — sondern weil jeder Inhaltstyp eine andere Aufgabe hat. Wer das nicht trennt, produziert Content, der für alles optimiert und deshalb für nichts wirklich gut ist.

Google hat das 2012 in drei Kategorien gefasst. Das 3H-Modell ist seither das klarste Framework für die Frage: Welcher Content für welche Absicht?

Drei Aufgaben, drei Content-Typen

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So viel Hygiene wie nötig, so viel Hub wie möglich – und hin und wieder einen Hero aufgehen lassen.
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3H-Modell nach Google (Hero/Hub/Hygiene) · E-E-A-T nach Google Search Quality Guidelines · Aus: Harald Ille, Digitale Kommunikationsstrategien (Springer, 2025), Kap. 3.3

Hero: der Stern, der aufgeht

Hero-Content soll auffallen — weit über die bestehende Zielgruppe hinaus. Er ist selten, aufwändig und bewusst geplant. Ein Jahresbericht, der wirklich Geschichten erzählt. Eine Videokampagne, die Menschen teilen, weil sie sie berührt. Ein Event, über das Medien berichten.

Hero-Content ist das, was Earned Media erzeugt — und damit die glaubwürdigste Reichweite des PESO-Modells. Aber er funktioniert nur, wenn darunter eine Basis aus Hub und Hygiene trägt. Ein viraler Moment bringt nichts, wenn Besucher auf leeren Kanälen landen.

Hub: der Rhythmus, der bindet

Hub-Content ist das Herz der Community-Arbeit. Er erscheint regelmäßig — wöchentlich, zweiwöchentlich, verlässlich. Er bedient, was die bestehende Zielgruppe interessiert, nicht was das Unternehmen kommunizieren möchte. Dieser Unterschied ist entscheidend.

Eine gute Hub-Strategie macht aus Gelegenheitslesern Stammpublikum. Podcast-Folgen, Newsletter-Serien, Porträts, Kolumnen — Formate, die eine Erwartungshaltung erzeugen und erfüllen. Der Test: Würde jemandem etwas fehlen, wenn dieser Content für einen Monat ausfiele?

Hygiene: die Frage, die immer gestellt wird

Hygiene-Content beantwortet konkrete Fragen, die Menschen stellen — unabhängig davon, ob gerade Kampagne ist oder nicht. HowTos, FAQs, Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Dieser Content fällt auf, wenn er fehlt: Wenn jemand nach „Wie beantrage ich X?" sucht und keine Antwort findet, ist das ein Kommunikationsversagen.

Hygiene-Content hat die höchste SEO-Wirkung und die niedrigsten Produktionskosten — wenn er einmal gut gemacht ist, arbeitet er jahrelang. Er ist die Wissensdatenbank, aus der Vertrauen entsteht.

E-E-A-T: Wie Google Qualität bewertet

Neben der Typen-Frage stellt sich die Qualitätsfrage. Google bewertet Inhalte nach vier Kriterien: Experience (nachweisbare Praxis-Erfahrung), Expertise (fundiertes Fachwissen), Authoritativeness (anerkannte Reputation) und Trustworthiness (Vertrauen durch Transparenz).

Besonders streng geprüft werden YMYL-Inhalte — „Your Money or Your Life": Finanzen, Gesundheit, Recht, Bildungsentscheidungen. Wer in diesen Themen kommuniziert, ohne klare Autoren-Credentials und transparente Quellen, wird von Google systematisch schlechter bewertet.

Der zweite Tab zeigt alle vier E-E-A-T-Kriterien und die YMYL-Kategorien — jeweils mit Erklärung.

Der Zusammenhang mit Ihrer Kanalstrategie

Die drei Typen korrespondieren direkt mit dem PESO-Modell: Hygiene-Content funktioniert auf Owned-Kanälen (Website, Newsletter). Hub-Content erzeugt Shared Media (Community, Empfehlungen). Hero-Content zielt auf Earned Media (Berichterstattung, Aufmerksamkeit). Wer beides kennt — welcher Kanal und welcher Typ — hat die wesentlichen Fragen der Content-Planung beantwortet.

Was dann noch fehlt: das richtige Verhältnis. Das zeigt der Content-Radar.