Kurz und prägnant

Journalistische Texte sind präzise und kurz. Die klassischen Werkstattregeln für verständliches Schreiben – von der Satzlänge bis zum Schachtelsatz.

Das Besondere an journalistischen Texten ist, dass sie sehr präzise und damit kurz sind. Alles Schwülstige und Unnötige lässt man weg und kommt damit sofort zur Sache. Das ist wichtig, weil nur sehr präzise Texte unmittelbar verstanden werden. Die Regeln für solche Texte sind ebenfalls recht präzise:

  • Sätze sollten höchstens 12 (Haupt-) bis 18 Wörter (inkl. Nebensatz) haben.
  • Hauptsatz folgt Hauptsatz statt verschachtelte Nebensatzkonstruktionen.
  • Nur einen Nebensatz pro Satz, „Schachtelsätze“ entpacken
  • jedem Aspekt seinen eigenen Satz: entwirren statt verwirren.
  • Lieber ein Wort wiederholen als den Leser durch zu viele Begriffe überfordern.

Strukturiert und gut gegliedert

  • Sich den Sachverhalt vorher klarmachen.
  • Sachverhalt Schritt für Schritt erklären.
  • Jeder einzelne Satz trägt Information.
  • Jedem Satz folgt eine neue Information.
  • „Zwischenmoderationen“ verwenden.
  • Trick: Gedanklich die literarisch verbotene Erzählstruktur „Und dann und dann und dann“ verwenden, wenn es kompliziert wird.

Aktiv statt passiv

  • Immer nach dem Subjekt suchen: Wer macht was? Wer ist verantwortlich?
  • Auch Sachen und Objekte, die passiv sind, zum Subjekt machen.
  • „Passiv“ vermeiden.

Text laut vorlesen

  • Wo’s holpert, ist was „faul“!

Aufbau eines journalistischen Textes

  • Das Wichtigste nach vorn!
  • W-Fragen beantworten: Wer, Was, Wo, Wann, Wie, Warum, Woher?
  • Spätestens im dritten Satz zum Kern der Sache kommen.
  • Einstieg und Ausstieg attraktiv gestalten.
  • Wörtlich zitieren.
  • Zusammengehörendes zusammen abarbeiten (thematisch nicht springen!).
  • Einstieg und Ausstieg nach Möglichkeit als Klammer gestalten:
    • Anfangs-Gag am Ende noch mal konterkarieren
    • Anfangsstatement mit Endstatement überprüfen
    • Ersten Aspekt am Ende nochmals neu beleuchten
    • Fazit ziehen

Journalistische Konventionen

Personen

  • IMMER mit Vorname und Nachname bezeichnen.
  • „Herr“ und „Frau“ weglassen.
  • Immer Funktion der Person nennen.
  • Altersangabe ist meist nebensächlich.

Zahlen und Maßeinheiten

  • so oft wie möglich ausschreiben.
  • „eins“ bis „zwölf“ immer ausschreiben.
  • Quadratmeter statt m², Mikrometer statt μm.
  • Wenn möglich, keine Ziffern in Überschriften.

Typografie

  • Bindestriche - ungleich Gedankenstriche – ungleich Spiegelstriche —
  • „Anführungszeichen“ ungleich “Hochkommata”.
  • Einschübe öfter mal – mit Gedankenstrichen – absetzen.
  • Doppelpunkte und Semikolon verwenden, wo möglich: Das lockert das sonst zu statische Schriftbild auf. Erst Hauptsätze bilden, dann den einen oder anderen Punkt durch andere Schriftzeichen ersetzen.
  • Satzzeichen kommen immer direkt hinter den letzten Buchstaben! (und nicht so ! ). Klammern auch.

Überschriften

Grundsätzliches

  • Meldungen immer sachlich und nüchtern.
  • Unterüberschriften immer sachlich und nüchtern.
  • Keine Ziffern, wenn möglich.
  • Keine Kommata, keine Punkte, keine Ausrufungszeichen.
  • Feature-Überschriften können spielerisch sein.
  • Zitate nur dann, wenn sie gut sind.

Formulierungshilfen und Ideen

  • Das Unerwartete suchen: „Jeder dritte Bayer gegen Stoiber“
  • Scheinbare Paradoxien nutzen: „Kanzler lobt Schröder“
  • „Gegen den Strich“ bürsten: „Holzmann saniert Schröder“
  • Stabreimen: „Milch macht müde Männer munter“

Beispiele

5 W-Fragen: Wer, Was, Wann, Wo, Wie?

Wetterdienste warnen vor Sturm in Hessen. Sturm soll am Nachmittag 120 Stundenkilometer erreichen.

Frankfurt/Main (dpa/lhe). Starken Sturm erwarten die Wetterdienste für Donnerstagnachmittag in Nord- und Westhessen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes und Meteomedia kann der zunehmende Südwestwind in den Kammlagen der Mittelgebirge Orkanstärke erreichen. Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Kilometer je Stunde seien möglich. Die Folgen könnten schwere Schäden an Gebäuden, herabstürzende Dachziegel und entwurzelte Bäume sein.

7 W-Fragen: Wer, Wann, Was, Wo, Wie, Warum, Woher?

Beispiel einer klassischen Agenturmeldung mit allen sieben W-Fragen (dpa).

Passiv-Konstruktionen vermeiden

  • Das Bürgerhaus Dreilinden öffnet wieder. Statt: Das Bürgerhaus wird wiedereröffnet.
  • Stadtrat Müller verleiht Ehrenplakette. Statt: Die Ehrenplakette wird verliehen.
  • Grünflächenamt fällt wieder Bäume. Dies dient der Verkehrssicherheit. Statt: Bäume müssen aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden.

Nichtssagende Formulierungen vermeiden

  • Statt „Im Rahmen der Buchmesse“ lieber „Bei der Buchmesse“.
  • Statt „eine Vielzahl an einzelnen Dingen“ lieber „Viele Dinge“.
  • Statt „Sanierungsmaßnahmen“ lieber „Sanierung“.
  • Auch substantivierte Verben sind Verben: auf „ung“-Worte verzichten.