SWOT-Analyse: Warum die meisten in der Schublade landen

Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken — das kennt jeder. Aber wann haben Sie zuletzt eine SWOT-Analyse gesehen, die wirklich zu einer Entscheidung geführt hat?

Das Problem ist nicht die Analyse. Das Problem ist, was danach kommt — meistens nichts. Die vier Felder werden befüllt, die Präsentation abgenickt, die Datei abgelegt. Und zwei Wochen später arbeitet das Team genau so weiter wie vorher.

Die SWOT-Analyse ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Ausgangspunkt. Wer sie als Endpunkt behandelt, hat das Werkzeug falsch eingesetzt.

Der zweite Schritt heißt TOWS-Matrix — und er ist der eigentlich strategische Teil. Hier werden die vier Felder nicht nur nebeneinander gestellt, sondern miteinander kombiniert. Aus der Beschreibung wird eine Handlungsempfehlung.

Von der Bestandsaufnahme zur Strategie

Klicken Sie auf den Button — und beobachten Sie, wie die vier SWOT-Felder zu vier konkreten Strategieempfehlungen werden. Das Beispiel zeigt eine Unternehmenskommunikations-Abteilung.

SWOT-Analyse ⇄ TOWS-Matrix nach Zerfaß/Volk · Aus: Harald Ille, Digitale Kommunikationsstrategien (Springer, 2025), Abb. 2.2

Vier Fragen, vier Strategien

Die Logik der TOWS-Matrix ist einfach: Jede der vier Strategien beantwortet eine andere Frage.

SO — Matching: Wie nutzen wir unsere Stärken, um Chancen zu ergreifen? Das ist die offensive Wachstumsstrategie. Hier sitzt das größte Potenzial — und hier beginnen die meisten Strategieprozesse.

WO — Umwandlung: Wie nutzen wir Chancen, um Schwächen zu überwinden? Das ist die Investitionsstrategie. Sie erfordert Mut, weil sie Ressourcen in Bereiche lenkt, die noch nicht gut funktionieren.

ST — Neutralisierung: Wie nutzen wir unsere Stärken, um Risiken abzufedern? Das ist die Absicherungsstrategie. Sie schützt, was bereits funktioniert, ohne in Defensive zu verfallen.

WT — Verteidigung: Wie minimieren wir Schwächen und Risiken gleichzeitig? Das ist die Rückzugsstrategie — oder der Startpunkt für strukturellen Wandel, wenn das Fundament nicht mehr trägt.

Warum SWOT so oft versagt

Es gibt zwei typische Fehler. Der erste: Die SWOT-Analyse wird im Konferenzraum gemacht, ohne ausreichende Datenbasis. Was als „Stärke" gilt, ist oft bloß ein gefühltes Selbstbild. Was als „Chance" gilt, ist oft ein Wunschdenken ohne Marktbezug.

Der zweite Fehler: Die Analyse bleibt Analyse. Die TOWS-Matrix wird nicht gebaut, weil das Team nach dem ersten Schritt bereits erschöpft ist — oder weil niemand die Verantwortung für den zweiten Schritt übernehmen will.

Beides lässt sich beheben. Der erste Fehler durch Daten: Medienbeobachtung, Stakeholder-Befragungen, Wettbewerbsanalyse. Der zweite Fehler durch Struktur: Die TOWS-Matrix ist kein optionaler Zusatz, sondern der eigentliche Zweck der Übung.

Von der Strategie zum Ziel

Aus jeder der vier TOWS-Strategien lässt sich ein konkretes SMART-Ziel ableiten: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert. Das ist der dritte Schritt — und erst hier wird aus Strategie ein Auftrag.

Wer diesen Dreischritt konsequent geht — SWOT beschreiben, TOWS ableiten, SMART formulieren — hat nicht nur eine Analyse gemacht. Er hat den Anfang einer Kommunikationsstrategie geschrieben.

Den nächsten Schritt — wie aus Zielen eine Themenarchitektur wird — finden Sie in diesem Artikel.