Warum werden YouTube-Videos immer extremer?

Warum man auf YouTube oft bei immer extremeren Inhalten landet – wie Empfehlungsalgorithmen unsere Aufmerksamkeit lenken.

Okay, ich schränke die etwas extreme Headline ein und formuliere sie präziser: Warum landen wir bei längeren YouTube-Sessions bei immer extremeren Videos? Wie YouTube selbst zugeben musste, war dies lange Zeit eine direkte Folge des YouTube-Algorithmus. Der einfache Grund dafür, der tief im Algorithmus verankert war, ist: Die Zuschauerinnen und Zuschauer möglichst lange bei der Stange zu halten - denn so verdient YouTube Geld. Ansichtsminuten = Einnahmen; eine sehr einfache Gleichung.

Nun schauen wir uns an, wie wir uns auf YouTube in der Regel verhalten. Wir suchen direkt nach Videos, die uns interessieren. Finden wir Kanäle, die wir interessant finden, abonnieren wir sie.

Je länger eine Person eine Plattform nutzt, desto mehr Kanäle abonniert sie, und desto älter werden die Abonnements.

Diese Abo-Inhalte sind in der Regel nicht die „Brüller“, es entsteht eine gewisse solide Langeweile.

Wenn der Reiz des Besonderen, Neuen, Unerwarteten aber weg ist, geht die Person nicht mehr so oft auf die Plattform.

Das will die Plattform aber verhindern, weil: Ansichtsminuten = Einnahmen.

Also bietet die Plattform von sich aus Neues an, das über verhaltensbasiertes Targeting individuell gefiltert wird.

Es liegt daher im Interesse der Plattform, immer weniger Updates von Abonnements zu zeigen.

Es liegt im Interesse der Plattform, die Algorithmen ausarbeiten zu lassen, was sie Ihnen zeigen sollen.

Je besser also diese Algorithmen werden, desto weniger häufig wird neuer Content dieser Kanäle ausgespielt.

 Grund: Wir haben nur 24 Stunden pro Tag und bei steigendem Content immer weniger Raum für meinen Content.

Der P-Score

Ist YouTube demokratisch dahingehend, dass alle User gleich sind? Hat jedes Video die gleiche Chance, ausgespielt zu werden? Und haben alle Erstellerinnen und Ersteller von Videos die gleichen Chancen, dass ihre Produktionen angeschaut werden?

Die Antwort ist Nein, und herausgefunden haben das die YouTuber Bowblax, Nicholas DeOrio, Optimus und Pescatore. Sie haben den sogenannten "P-Score" entdeckt mit fünf Kriterien, nach denen YouTube Videos ausspielt.

  1. Popularity - wie lange schauen sich Nutzerinnen und Nutzer einen Kanal an, wie hoch ist dessen "Watch Time"?
  2. Passion - Wie begeistert und involviert sind die Nutzerinnen und Nutzer auf diesem Kanal dabei? Interagieren sie häufiger?
  3. Protection - Wie passend ist der Kanal für Werbetreibende? Kann YouTube über diesen Kanal Geld verdienen - und wenn ja, wieviel?
  4. Platform - Wie gut lassen sich die Videos des Kanals auch auf größeren Bildschirm betrachten?
  5. Production - Wie qualitativ hochwertig sind die Videos auf dem Kanal produziert worden?

Aus diesen fünf Faktoren errechnet YouTube einen gemeinsamen P-Score. Dieser Wert bestimmt, wie sichtbar ein einzelner Kanal auf der Plattform ist, wie gut ihn YouTube also anzeigt und ausspielt.